Balz Camenzind, malender Bauer (1907 - 1989)

 

Balz Camenzind wurde am 30.4.1907 auf der Liegenschaft Gritzenmoos in Sempach Station geboren. Sein Vater war als junger Bursche aus Gersau nach Neuenkirch gezogen, wo er zunächst die Liegenschaft „Hungerbühl“ kaufte, diese aber wenige Jahre später gegen das „Gritzenmoos“ eintauschte. Da der Vater bereits 1911 mit 33 Jahren starb und seine Mutter als Witwe mit den 4 kleinen Kindern den Hof nicht allein bewirtschaften konnte, wurde er während einiger Jahre verpachtet. 1920, als der ältere Bruder Franz 20-jährig geworden war, übernahm die Familie den 30 ha-Hof wieder zur Eigenbewirtschaftung.

 

Eigentlich wollte Camenzind schon von Kind auf Maler werden. Während drei Jahren besuchte er deshalb ab 1921 die Kunstgewerbeschule in Luzern. Das Aktzeichnen behagte ihm allerdings nicht so sehr. Eine Erkrankung des Sehnervs zwang ihn zum Ausstieg an der Kunstgewerbeschule. Der Arzt verbot ihm darauf hin das Malen überhaupt, da er eine Erblindung wegen Überbelastung des Sehnervs befürchtete. So entschied sich Balz Camenzind, wie sein Bruder Bauer zu werden. In den Jahren 1925/26 besuchte er deshalb die Landwirtschaftliche Schule in Sursee.

 

1933, mit 26 Jahren, heiratet er seine Frau Agnes. Auf der Hochzeitsreise besuchen sie Florenz, und da packt es den verhinderten Maler wieder. Er porträtiert als erstes seine junge Frau und ist fortan zu Hause im Gritzenmoos, das in der Zwischenzeit zwischen seinem Bruder Franz und ihm in zwei Liegenschaften aufgeteilt worden war, als Bauer und Maler tätig. Zusammen mit seiner Frau zieht er drei Kinder gross. Im Zweiten Weltkrieg verbringt er als Dragoner viele Aktivdiensttage an der Grenze.

 

Als malender Autodidakt setzt er da ein, wo er die Kunstgewerbeschule verlassen hat. 1951 holt ihn Hans von Matt an die erste Innerschweizer Kunstausstellung nach Brunnen. Es folgen Ausstellungen in Küsnacht (ZH), Luzern, Schwyz, Zug und schliesslich auch in der Zyt-Galerie Sempach. 1967 übergibt er den Hof seinem Sohn Peter, arbeitet aber weiterhin auf dem Betrieb mit, im Wechsel mit seiner künstlerischen Tätigkeit. 1976, also mit 69 Jahren, bezieht er mit seiner Frau im Städtchen Sempach eine Wohnung und widmet sich fortan ausschliesslich dem Malen. Nach einem Schlaganfall 1988 bleibt seine rechte Hand gelähmt. Unverdrossen malt er mit der linken weiter, bis er am 27.11.1989 stirbt.

 

Balz Camenzind wird übereinstimmend als gesellig und humorvoll beschrieben. Bilder zeigen einen listigen Mann mit Béret und einem verschmitzten Lächeln. Er machte nie ein Hehl daraus, dass er gerne ganz von der Malerei gelebt hätte. An keinem seiner Werke soll er länger als zwei Stunden gearbeitet haben. Hatte er ein Sujet im Kopf, liess er alles liegen und holte die Staffelei hervor. Es machte ihm dabei auch nichts aus, die Feldarbeit zu unterbrechen, um seine Inspiration spontan auf die Leinwand zu bringen. Dank der Malerei konnte er es sich leisten, kein überaus erfolgreicher Bauer zu sein. Finanzielle Angelegenheiten überliess er ohnehin seiner Frau. Als er Mitte der 60er Jahre für seinen Hof als einer der ersten Landwirte einen Traktor und Ladewagen anschaffte, bezahlte er diese Maschinen mit Bildern. Neben der Malerei interessierte er sich auch für Literatur. Die meisten Werke der zeitgenössischen Schweizer Schriftsteller Frisch, Dürrenmatt, aber auch eines Emile Zola hat er gelesen.

 

Stil
Als Künstler ist Balz Camenzind schwierig einzuordnen. Malte er zunächst nur mit dem Pinsel, entdeckt er später auch den Stift. Sicher ist er nicht dem Genre der Bauernmalerei zuzuordnen, auch der Begriff "Volkskunst" trifft auf sein Werk nicht zu. Er gehört keiner bestimmten Kunstrichtung an, nimmt auf, wählt aus, verbindet und verknüpft, bis die Bewegung für ihn stimmt. Er selber betonte, dass er in seinen Bildern das Wesentliche hervorheben wolle. Zudem fasziniere ihn die Bewegung. Seine Bilder gehören durchaus nicht zur konservativen Maltechnik oder zum Realismus,  aber auch die völlige Abstraktion ist ihm fremd. Man erkennt die Sujets spätestens auf den zweiten Blick. Die Wirklichkeit sehen und sie dann auf geheimnisvolle, fast übersinnliche Art in Bilder umsetzen, das ist eines der Merkmale seiner aussagestarken Bilder.

 


Werke
Rund 1000 Werke schuf Balz Camenzind in den 50 Jahren seiner malerischen Tätigkeit. Sie sind weit gestreut. Nur wenige befinden sich noch im Besitze seiner Familie.

 

Seine Sujets stammen häufig aus seinem Bauernalltag: Pferde, Kühe, Ziegen, Bäume, Blumen kurz: die Natur. Allerdings schuf er auch einzelne Porträts.

 

Nebst dem Bauernhof holte er sich Inspirationen im fortgeschrittenen Alter auf Reisen nach Spanien, Frankreich, Italien und Israel.

 

Max Eichenberger, Kunstkritiker der "Tat", beurteilte ihn als einen der bemerkenswertesten und besten Schweizer Maler des 20. Jahrhunderts.


 

 

Balz Camenzind
 

Balz Camenzind Pferd 


Balz Camenzind Pferde

 

 

 

 

 

 


 

Balz Camenzind Baum