Niklaus Wolf von Rippertschwand (1756 - 1832)

Auch bekannt unter Vater Wolf, frommer Heiler

 

 

Niklaus Wolf, dessen Namen häufig mit der Herkunftsbezeichnung „von Rippertschwand“ ergänzt genannt wird, wird am 1. Mai 1756 auf dem Bauernhof seines Vaters im Unterlindig geboren. Sein Vater war Kirchmeier zur Zeit des Kirchenbaus in Neuenkirch (1765). 1773 übersiedelt die Familie nach Rippertschwand.  Im gleichen Jahr starb seine Mutter. 1775, mit 19 Jahren, begibt sich der junge Wolf auf eine längere Reise nach Rom. Mit 23 Jahren heiratet er 1779 Barbara Müller, die Tochter der zweiten Frau seines Vaters vom benachbarten Hof Neuhus. 1788 übernimmt er den elterlichen Hof. Als politisch interessierter Jungbauer verfolgt er die Ereignisse in Paris (Französische Revolution 1789, Herrschaft des Direktoriums, Machtübernahme Napoleons) aufmerksam. In den Wirren nach dem Einfall der Franzosen in die Schweiz, der in den Stadtorten die Herrschaft der Patrizier beendet,  lässt er sich in die helvetische Nationalversammlung wählen. Er bekundet jedoch Mühe mit der von Napoleon der Schweiz aufgezwungenen helvetischen Verfassung. Insbesondere will er es nicht hinnehmen, dass die Kirche in ihren Freiheiten eingeschänkt wird und Prozessionen und Wallfahrten künftig verboten  sein sollen.

 


 

Niklaus WOlf von Rippertschwand

Folgerichtig schliesst er sich im Herbst 1802 den Kräften an, die einen bewaffneten Aufstand gegen die Helvetik lostreten. Trotzdem er mit dem neuen Staatsgebilde, das den Einfluss der bis anhin im patrizisch beherrschten Staat tonangebenden katholischen Kirche zurückbinden will, nichts anfangen kann, lässt er sich im April 1803 in den Grossen Rat der Mediation, den Vorgänger des heutigen Luzerner Grossen Rates, wählen. Er hofft, seinen Einfluss zu Gunsten der Kirche im Grossen Rat wirkungsvoller ausüben zu können. Als er feststellen muss, dass er im Grossen Rat keine Unterstützung für seine Ideen findet, erklärt  er bereits anderthalb Jahre später, am 27. Oktober 1804, resigniert seinen Rücktritt. Die Regierung zögert zunächst, den Rücktritt zu akzeptieren, war er doch mit der höchsten Stimmenzahl gewählt worden. Ein halbes Jahr später jedoch nimmt sie den Rücktritt an.

 

Der Rücktrittserklärung vorausgegangen war ein besonderes Erlebnis: Durch Anrufung des Namens Jesu wurde er auf für ihn zunächst unerklärliche Weise von seinen Beinschmerzen geheilt. Es war der Beginn einer charismatischen Heilertätigkeit, deren Kunde sich bald in der ganzen Umgebung verbreitet. Trotzdem lässt er sich 1809 von seinen Mitbürgern zum Gemeindevorsteher (entspricht dem heutigen Gemeindepräsidenten) wählen. Ein Amt, das er aber bereits zwei Jahre später wieder aufgibt. Lediglich sein Amt als Kirchenrat behält er. Da er sich weiterhin gegen die immer noch geltende helvetische Verfassung und Regierung betätigt, wird er überwacht. Auch seine Tätigkeit als Krankenheiler ist den Behörden ein Dorn im Auge. Sie ersucht den nach der Abtrennung des schweizerischen Teils des Bistums Konstanz für Luzern zuständigen Apostolischen Generalvikar Göldlin, das Wirken Wolfs kirchlich zu untersuchen. Dieser kommt nach Abschluss der Untersuchung zum Schluss, dass dies nicht im Sinne der Kirche sei und auferlegt Niklaus Wolf vorübergehend ein Heilverbot. Insgeheim aber erwirkt er im folgenden Jahr für ihn eine Missio canonica, die kirchliche Erlaubnis zu heilen.

 

Niklaus Wolf übergibt die Liegenschaft Rippertschwand 1814 seinem Sohn Johann und widmet sich dem wachsenden Strom von Heilung Suchenden. 1819 lernt er den ihm geistesverwandten konservativen Politiker Joseph Leu von Ebersol (Hohenrain) kennen, den er in der Folge regelmässig aufsucht. Gemeinsam verbringen die beiden ganze Nächte im Gebet. Zusammen scharen sie eine grosse „Gebetsarmee“ um sich, aus der der Ruswilerbund hervorging, der die Keimzelle des späteren politischen Umsturzes im Kanton Luzern 1841 bilden sollte.

 

Im September 1832 weilt der mittlerweile 76-Jährige auf einer Heilerreise im Kloster St. Urban. Am 17. September erleidet er hier einen Schlaganfall, dem er am folgenden Morgen erliegt. Seine Leiche wird nach Neuenkirch überführt, wo sie an der Kirchenmauer am 21. September 1832 beigesetzt wird.

Sein Grab wird bald zu einer viel besuchten Wallfahrtsstätte. 1952 wird aus diesem Grunde eine Unterkirche gebaut und seine Gebeine umgebettet. Heute noch ist dieses Grab in der Unterkirche Neuenkirch Ziel vieler Pilger, wie die ständig brennenden Kerzen und das grosse Buch mit den Anliegen und Danksagungen beweisen. Allmonatlich füllt sich noch heute die Pfarrkirche Neuenkirch zu den so genannten „Vater-Wolf-Abenden“ mit Eucharistiefeier, Vortrag, Rosenkranz und Heilungsgebet in seinem Sinne.


 

Das alljährlich am ersten Sonntag im September stattfindende Glaubensfest geht auf die Gebetsgruppe von Niklaus Wolf zurück. Es ist dies das Fest der Bruderschaft zur Bewahrung und Verlebendigung des Glaubens, die von Vater Wolf gegründet worden ist. Seit mehreren Jahren läuft in Rom der Seligsprechungsprozess mit dem Ziel, diesen frommen Diener Gottes, Heiler und Politiker zur Ehre der Altäre zu erheben.

 

Literatur:
Niklaus Wolf von Rippertschwand. Der senkrechte Querdenker, Paulusverlag, Freiburg 1996, 282 Seiten.
Erhältlich beim Vater-Wolf-Sekretariat, Kirchmatt 1, 6206 Neuenkirch

 

www.niklauswolf.ch